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Ärzte genießen in der Gesellschaft hohes Ansehen und erzielen ein gutes Einkommen. Nach ihrer langen und anspruchsvollen Ausbildung werden sie damit in zweifacher Hinsicht belohnt. Wer sich selbständig macht, sollte auch die Zahlen im Blick haben. Denn natürlich ist es sinnvoll, dass du als Praxisinhaber oder -inhaberin über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügst. Dafür brauchst Du nicht gleich ein BWL-Studium, aber die grundlegenden Rahmenbedingungen solltest Du kennen.
Folgendes gilt es zu beachten:
Neben einer Karriere als angestellter Facharzt bietet die Niederlassung als Arzt eine attraktive Alternative. Während angestellte Ärzte einem festen Tarifvertrag unterliegen, können niedergelassene Ärzte ihr Einkommen selbst steuern und oft deutlich höhere Einnahmen erzielen. Dies geht jedoch mit zusätzlichen unternehmerischen Pflichten und Risiken einher.
Dieser Artikel beleuchtet die Einflussfaktoren auf das Gehalt niedergelassener Ärzte, die lukrativsten Fachrichtungen sowie die Rolle des Standortes für den finanziellen Erfolg.
Ärzte in Festanstellung verdienen je nach Erfahrung und Position in der Klinik unterschiedlich. Laut dem StepStone Gehaltsreport von 2020 liegt das durchschnittliche Bruttojahresgehalt eines Klinikarztes bei etwa 92.000 Euro. Dies entspricht etwa 7.600 Euro monatlich (brutto).
Die Höhe des Gehalts variiert jedoch stark je nach Hierarchiestufe. Assistenzärzte und Fachärzte verdienen in der Regel weniger, während Oberärzte und Chefärzte ein deutlich höheres Gehalt erzielen. Chefärzte können bis zu 200.000 Euro oder mehr jährlich verdienen, abhängig von der Klinik und der Region.
Ärzte in Festanstellung verdienen je nach Erfahrung und Position in der Klinik unterschiedlich. Laut dem StepStone Gehaltsreport von 2020 liegt das durchschnittliche Bruttojahresgehalt eines Klinikarztes bei etwa 92.000 Euro, was etwa 7.600 Euro monatlich entspricht.
Das Gehalt eines Arztes in eigener Praxis ist nicht so eindeutig zu bestimmen, da es von vielen Faktoren abhängt. Ein niedergelassener Arzt ist selbstständig, und somit hängt sein Verdienst vom Erfolg seiner Praxis ab (unternehmerisches Risiko). Zu den relevanten Faktoren gehören die Praxisgröße, der Standort, die Anzahl der Patienten, die Art der Behandlung und der Anteil an Privatpatienten.
Ein durchschnittlicher Jahres-Reinertrag von etwa 296.000 Euro entspricht einem Monatsreinertrag von ca. 24.600 Euro. Nach Abzug von Steuern, Versicherungen und sonstigen Fixkosten bleibt ein monatliches Nettoeinkommen von ungefähr 13.000 Euro.
Kriterien, die die Einnahmen einer Arztpraxis beeinflussenDas Statistische Bundesamt hat die Einnahmen, Aufwendungen und Reinerträge verschiedener Fachrichtungen untersucht:
Fachbereich | Einnahmen | Aufwendungen | Reinertrag |
---|---|---|---|
Allgemeinmedizin | 466.000 € | 215.000 € | 252.000 € |
Innere Medizin | 721.000 € | 400.000 € | 321.000 € |
Frauenheilkunde und Geburtshilfe | 482.000 € | 231.000 € | 251.000 € |
Kinder- und Jugendmedizin | 474.000 € | 235.000 € | 239.000 € |
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde | 477.000 € | 234.000 € | 243.000 € |
Orthopädie | 482.000 € | 741.000 € | 341.000 € |
Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie | 756.000 € | 431.000 € | 325.000 € |
Haut- und Geschlechtskrankheiten | 709.000 € | 367.000 € | 342.000 € |
Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie | 3.003.000 € | 1.875.000 € | 1.128.000 € |
Neurologie | 403.000 € | 165.000 € | 238.000 € |
Urologie | 613.000 € | 279.000 € | 334.000 € |
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis, 2021), Leider sind aktuell keine neueren Zahlen verfügbar.
Ein entscheidender Faktor für das Einkommen ist der Standort. Je höher die Patientendichte und das Verhältnis von Privat- zu Kassenpatienten, desto größer das finanzielle Potenzial.
Arztgruppe | Relativer Anteil Nächstarztbesucher |
---|---|
Radiologen | 74,7 % |
Urologen | 74,5 % |
Haus- und Allgemeinärzte | 71,5 % |
HNO-Ärzte | 70,5 % |
Chirurgen | 70,3 % |
Augenärzte | 69,2 % |
Hautärzte | 68,9 % |
Kinderärzte | 67,9 % |
Orthopäden | 62,7 % |
Nervenärzte | 61,4 % |
Frauenärzte | 57,4 % |
Fachinternisten | 56,9 % |
Psychotherapeuten | 38,5 % |
Anästhesisten | 31,4 % |
Quelle:Fülop et al. (2009) "Einzugsbereiche von Arztpraxen"
Je höher der Anteil der Nächstarztbesucher, desto wichtiger ist die Standortwahl. Eine gute Erreichbarkeit, Infrastruktur und ein hoher Bedarf an medizinischer Versorgung steigern die wirtschaftliche Rentabilität einer Praxis.
Auch das Bundesland hat erheblichen Einfluss auf das Einkommen:
Bundesland | Durchschnittsreinertrag (Jahresbrutto) |
---|---|
Baden-Württemberg | 323.700 € |
Hessen | 321.600 € |
Bayern | 313.200 € |
Bundesweiter Durchschnitt | 300.000 € |
Brandenburg | 243.600 € |
Sachsen-Anhalt | 241.500 € |
Mecklenburg-Vorpommern | 234.000 € |
Quelle: Gehaltsatlas 2021
Der niedergelassene Arzt in der heutigen Zeit muss aufgrund zahlreicher Aufgaben einem anspruchsvollen Arbeitsalltag erfüllen. So ist sie oder er nicht nur Mediziner, sondern zugleich Unternehmer, Marketer, Seelsorger, Führungskraft, Familienmensch und IT-Beauftragter. Es sind also sämtliche Rollen zu erfüllen, um eine eigene Praxis zu betreiben und bestenfalls ökonomisch erfolgreich zu führen. Beispielsweise sind laufende Veränderungen in den Rahmenbedingungen der elektronischen Abrechnung zu erfüllen. Die IT-Infrastruktur muss nicht nur an die Telematikinfrastruktur angepasst werden. Es sind zudem Datensicherheits und -schutzmaßnahmen einzuhalten. Der Klinikarzt würde sagen, dass er nicht Informatik studiert hat und dies deshalb nicht in seinem Verantwortungsbereich liegen würde. Der niedergelassene Arzt kann dies nicht tun, da die Verantwortung bei ihm liegt. Dies bewirkt eine Unmenge an Aufwand in der Informations- und Datenbeschaffung (z.B. für die Installation von elektronischen Patientenakten oder der Datenschutzkonzepte). Der Vorteil ist aber, dass sich er eine ordentliche Praxisführung auf den Aufbau eines nachhaltigen Arzt-Patienten-Verhältnisses auswirkt, und somit auf die Auslastung und ferner die Einnahmen der Praxis. Neben den komplexen organisatorischen Verantwortlichkeiten im Berufsbild des niedergelassenen Arztes, gibt es noch den ökonomischen Auftrag. Das bedeutet die wirtschaftliche Praxisführung. Insbesonder beim Praxisstart ist es wichtig eine sorgfältige finanzielle Planung durchzuführen. Darüber hinaus gilt es kostenorientierte zu Agieren, Controlling Aktivitäten in der Arztpraxis einzubinden und allgemeine Managementanforderungen in der Praxisführung als Unternehmen zu erfüllen. Damit kann der medizinisch anspruchsvolle Praxisalltag unterstützt werden.
Die Honorarverhandlung und Abrechnung gehören zu den zentralen Aufgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Sie vertreten deine Interessen gegenüber den Krankenkassen und setzen sich für eine angemessene Vergütung deiner Leistungen ein. Zudem übernehmen sie die quartalsweise Abrechnung der Behandlungen, die du für gesetzlich versicherte Patienten erbringst.
Für dich bedeutet das: Du musst nicht jede Krankenkasse einzeln abrechnen – diese Aufgabe erledigt die KV für dich. Deine Abrechnung reichst du einmal pro Quartal bei deiner zuständigen KV ein. Zusätzlich erhältst du monatliche Abschlagszahlungen auf dein Honorar, sodass du auch als Selbstständiger über ein regelmäßiges Einkommen verfügst.
Bei privat versicherten Patienten hingegen stellst du deine Rechnungen selbst aus – basierend auf der Gebührenordnung für Ärzte und Ärztinnen.
Die Einkommen niedergelassener Ärzte variieren erheblich. Bei angestellten Ärzten hingegen hängen die Gehälter von Faktoren wie Qualifikation und Berufserfahrung ab. Diese sind in den jeweiligen Tarifverträgen der verschiedenen Einrichtungen festgelegt.
Auch die Art der Einrichtung spielt eine Rolle: Ob ein Arzt in einem kommunalen Krankenhaus, einer Universitätsklinik oder einer privaten Klinik tätig ist, beeinflusst den geltenden Tarifvertrag und damit das Gehalt.
Bei niedergelassenen Ärzten hingegen bestimmt vor allem die Fachrichtung die Einkommenshöhe. So erzielt ein niedergelassener Neurologe oder Psychotherapeut mit eigener Praxis im Durchschnitt weniger als ein Drittel der Einnahmen eines Radiologen – gemessen am Umsatz pro Praxisinhaber. Dies liegt unter anderem daran, dass radiologische Untersuchungen meist weniger Zeit in Anspruch nehmen als beispielsweise psychotherapeutische Sitzungen. Dadurch kann ein Radiologe pro Tag deutlich mehr Patienten behandeln.
Ein weiterer Grund für die hohen Einnahmen in der Radiologie sind die kostspieligen medizinischen Geräte, die für den Praxisbetrieb erforderlich sind. Fachärzte für Psychotherapie oder Allgemeinmedizin müssen solche Investitionen nicht tätigen. Ihre Kosten konzentrieren sich vor allem auf die Praxisräume, deren Einrichtung sowie die Grundausstattung für Untersuchungen, Administration und Empfang.
Das Statistische Bundesamt hat den Reinertrag der einzelnen Arztpraxen in alte und neue Bundesländer aufgeteilt. Ein Blick auf diese Zahlen ergibt einen klaren finanziellen Vorteil für Ärzte in den alten Bundesländern. Die Unterschiede variieren jedoch von Fachgebiet zu Fachgebiet.
Bei den Neurologen liegt der Reinertrag je Praxis in den neuen Ländern sogar über dem in den alten Bundesländern. Auch bei der Allgemeinmedizin haben die neuen Bundesländer beim Reinertrag je Praxisinhaber die Nase vor den alten Ländern.
Niedergelassene Ärzte besitzen ein hohes Gehaltspotenzial mit unternehmerischen Risiken. Als niedergelassener Arzt haben Sie die Möglichkeit, deutlich mehr zu verdienen als im tariflichen Angestelltenverhältnis. Je nach Fachrichtung liegt das durchschnittliche Nettoeinkommen bei rund 13.000 Euro – allerdings geht dies mit einem höheren Arbeitsaufwand einher. Neben der fachärztlichen Tätigkeit und der Patientenakquise tragen Sie die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf Ihrer Praxis. Zudem müssen unternehmerische Risiken sowie notwendige Investitionen sorgfältig bedacht werden. Dennoch bietet die Selbstständigkeit als Arzt viele Vorteile: Sie genießen größere Freiheiten, können Ihre Praxis individuell gestalten und leisten einen wertvollen Beitrag zur Gesundheitsversorgung in Ihrer Region.
Arztgehalt in einer eigenen Praxis bietet zahlreiche Chancen, erfordert jedoch auch unternehmerisches Geschick. Wer erfolgreich eine Praxis führt, kann von hohen Einnahmen profitieren. Allerdings sind die Ausgaben und die Verantwortung für das Praxismanagement nicht zu unterschätzen. Es ist wichtig, sich frühzeitig auf die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen vorzubereiten.Investiere in Deine Zukunft und bereite Dich auf die Praxis vor. So umgehst Du etwaige Stolperfallen, die auf dem Weg warten.
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Du willst Dich niederlassen, aber hast keine Zeit für eine gründliche Vorbereitung? Im Onlinekurs "Praxisstart" erfährst Du was ein Arzt als Unternehmer braucht. In kleinen Lerneinheiten lernst Du die wichtigsten Bausteine, um Deinen Start im ambulanten Sektor zu vereinfachen. Egal, ob Du eine Praxis übernehmen, gründen oder als Angestellter in der Niederlassung anfangen willst.
Dr. Alexander Zuber, Betriebswirt und Kursleiter bei Praxisstart, bringt Erfahrung in der Begleitung von Praxisgründungen, -übernahmen und dem laufenden Betrieb mit. Er versteht es, die Herausforderungen und organisatorischen Aspekte dieses Bereichs verständlich und praxisnah zu vermitteln.
Seine Expertise liegt in den unternehmerischen Aspekten, die eine Arztpraxis heutzutage benötigt, um langfristig erfolgreich zu sein. Er unterstützt bei der strategischen Ausrichtung, Finanzplanung und dem effizienten Praxismanagement, um eine stabile und nachhaltige Praxisführung zu gewährleisten.
Dieser Onlinekurs wurde in Zusammenarbeit mit erfahrenen Ärzten in der Niederlassung, erstellt. Viele Mediziner starten unvorbereitet in die Praxis, deshalb werden nicht alle finanziellen und unternehmerischen Potenziale ausgeschöpft. Oftmals kommt es sogar zu Fehlkalkulationen. Das wollen wir ändern. Unser Ziel ist es, Ärztinnen und Ärzte schnell und kompakt für den Einstieg in den ambulanten Sektor vorzubereiten. Die digitale Lernplattform ermöglicht eine moderne Weiterbildung, unabhängig von Ort und Zeit.
Ich will mich auf jeden Fall niederlassen, aber bin mir unsicher was da auf mich wartet. Außerdem habe nicht so viel Zeit, um an einem teuren Seminar teilzunehmen.
Da meine Eltern keine Ärzte sind, war die kompakte Vorbereitung für die Praxis enorm hilfreich. So konnte ich bei der Übernahme von Beginn an gut verhandeln.
Obwohl ich schon seit einem Jahr in der Praxis bin, konnte ich erst mit Hilfe des Kurses den Zusammenhänge zwischen Abrechnung und Arztgehalt verstehen.
Viele Praxisärzte wissen nicht wie sie finanziell mehr Netto vom Brutto herausholen können. Das vermittelt der Kurs sehr gut.
Ich konnte in meiner Famulatur die Organisation einer Hausarztpraxis kennenlernen. Im Kurs konnte ich dann spannende Einblicke in das systematische Praxismanagement gewinnen.
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